Dienstag, 25. September 2007Bangalore, Mysore, Dublin
Nächste Woche ist einer der wenigen offiziellen Feiertage in Indien, nämlich Ghandis Geburtstag am 2.10. (Dienstag). Wir haben uns den Freitag und Montag freigenommen und werden über dieses verlängerte Wochenende ein bisschen durch die Gegend fahren. Donnerstag Abend geht es direkt nach der Arbeit zum Bahnhof und von dort aus per Nachtzug nach Bangalore. Das ganze dauert ungefähr 12 Stunden (und kostet etwa 6 Euro) und wir haben einen Schlafplatz im Zug gebucht. In Bangalore angekommen, geht es gleich weiter mit einem Zug nach Mysore. Das dauert dann noch mal 3 Stunden und wir kommen dann dort Freitag Mittag frisch und erholt an...
In Mysore bleiben wir dann bis Sonntag und fahren dann wieder zurück nach Bangalore, wo wir noch mal einen Tag bleiben. Von dort aus gehts dann Montag Abend wieder über Nacht mit dem Zug zurück nach Hyderabad. Wir kommen Dienstag Morgen zurück, begrüßen Matthias und nach ein paar Stunden Schlaf gehen wir vielleicht noch auf eine Party. Desweiteren hab ich nun auch schon einen Flug nach Dublin gebucht. Am 12.1. werden wir in Frankfurt landen, dann hab ich einen Tag Zeit umd die Sommersachen aus- und die Wintersachen einzupacken und am 14.1. gehts schon nach Dublin und von dort aus mit dem Bus nach Waterford zu Michiiii Donnerstag, 20. September 2007Im Schöhnheitssalon
Will frau zum Friseur gehen, dann muss sie zu einem “Beauty Parlourâ€, also einem Schöhnheitssalon. Für Männer gibt es entsprechend „Hair Dresser“, bei denen man sich auch rasieren lassen kann. Manchmal bestehen die Salons für Männer auch nur aus einer Decke am Straßenrand, auf der gesessen, frisiert und rasiert wird. Bei Frauen spielt sich das aber nicht ganz so öffentlich ab.
Seit letzter Woche wollte ich nun mir die Haare nachschneiden lassen. Eine Kollegin wollte mich zu einem „Beauty Parlour“ begleiten, jedoch wurde daraus nichts, da bei ihr zu Hause eine Wasserleitung kaputt gegangen ist und sie nun jeden Abend schnell heim muss, um eine Wasserlieferung entgegen zu nehmen. Ich habe mich also gestern selbst auf den Weg gemacht, ihrer Beschreibung folgend und stand schließlich vor „Eve’s Beauty Parlour“. Etwas mulmig und bafüßig betrat ich den Salon. Mulmig deshalb, weil Inderinnen zu 99% lange Haare tragen und ich nicht wusste, wie sehr die indischen Friseurinnen schon in westlichen Kurzhaarschnitten erprobt sind und barfüßig, da man auch hier, wie in jeder indischen Wohnung, die Schuhe am Eingang stehen lässt. Es waren schon einige Frauen da, die allerdings nur auf eine Freundin warteten, wie sich herausstellte. Ich wurde also nach kurzem Warten schon auf einen Frisier-Stuhl gebeten und sollte mich noch eine Minute gedulden. Neben mir, auf einem anderen Frisier-Stuhl, wechselten sich derweil drei Mädchen damit ab, sich die Augenbrauen zupfen zu lassen. Dazu nahm die Angestellte ein Stück Garn zwischen die Finger und ihre Zähne und zwirbelte es an den Augenbrauen der Mädchen entlang. Wie genau das funktioniert, ist mir allerdings noch nicht ganz klar, aber die Mädchen krallten sich bei der Prozedur an ihrem Stuhl fest und es wirkte nicht sehr beruhigend. Schließlich kam aus einem Hinterzimmer eine ältere Frau und griff nach der Schere. „How short?“. Ich zeigte so etwa 3cm mit den Fingern und das war auch schon fast alles an Konservation. Sie drehte den Stuhl und mich also ebenfalls vom Spiegel weg (Hey!) und fing an, sehr langsam und bedächtig an meinen Haaren herumzuschneiden. Nach etwa 15 Minuten bangen Wartens und mit großer Aufmerksamkeit aller anderen Kunden und Mitarbeiter bekam ich einen kleinen Spiegel gereicht... und es war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte und sah sogar ungefähr so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. „It’s ok?“. „Yes, it’s ok“. Ein strahlendes und erleichtertes Lächeln von ihr... Ich bezahlte noch schnell meine 100 Rupien (1,80 Euro) und verließ stolpernd den Salon, während mir die Friseurin beim Gehen noch immer wieder Haare von der Kleidung zupfte. Mittwoch, 19. September 2007Wir erobern Indien
Im Oktober wird sich die Anzahl der Ausländer in unsrem Wohnviertel verdoppeln. Zunächst kommt Anfang Oktober Matthias aus Karlsruhe und zieht wahrscheinlich bei uns gegenüber ein. Etwas später, nämlich am 19.10., schaut dann meine Mutter mal für 2,5 Wochen bei uns rein. Beide sind natürlich auch schon mit dem obligatorischen Indienblog ausgestattet. Man findet sie bei mir im Menü rechts unten unter "Links".
Aufregung in Kashmir und Regen in Hyderabad
Rhada ist wieder da! Unser indischer Nachbar aus Kashmir war ja Ende August plötzlich verschwunden. Zwei Tage später gab es die Bombenanschläge hier in Hyderabad, von denen ich erzählt habe, und wir befürchteten schon das Schlimmste. Einige Tage später jedoch rief er uns an und sagte, dass es ihm gut gehe und er dringend nach Kashmir zurück gemusst hatte. Warum, verriet er am Telefon allerdings nicht.
Nun haben wir ihn heute Abend ausgequetscht und er berichtete von einem Bollywood-reifem Drama: Rhada hat eine Freundin in Kashmir. Seine Eltern sind sehr offen und modern und es ist für sie ok. Seine Freundin gehört allerdings einer Sikh-Familie an (Sikhs sind eine von vielen Religionsgruppen hier in Indien. Die Männer zeichnen sich äußerlich vor allem dadurch aus, dass sie einen Turban tragen) und ihr Vater ist sehr konservativ. Rhada wurde von seiner Freundin Donnerstags Mittags angerufen und sie berichtete ihm, dass ihr Vater ihre Verlobung mit einem anderen Sikh plane, denn Rhada ist Hindu und ihr Vater wollte seine Tochter nur an einen Sikh verheiraten. Rhada packte sofort seine Sachen und verließ Hyderabad schon zwei Stunden später auf dem Weg nach Kashmir. Seine Freundin hatte schon versucht ihren Vater davon zu überzeugen, dass sie diesen anderen Mann nicht heiraten wolle. Und Rhada ging sogar so weit, ihrem Vater anzudrohen mit ihr die Ehe vor Gericht zu schließen, falls ihr Vater sie zur Verlobung zwingen würde. Schließlich ließ sich der Vater wohl weichklopfen. Aber Rhada meinte zu uns, er wäre sich nicht sicher, ob er seine Drohung wirklich wahr gemacht hätte. Nun ist Rhada zwar (noch) nicht verlobt, denn das ist hier auch eine riesige Zeremonie und nicht ein intimes Versprechen zwischen zwei Liebenden. Aber er wird sie heiraten müssen und ich nehme an, dass das schon bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland passieren wird. Er blieb nun noch ein wenig in Kashmir und seine Mutter betete täglich im Tempel für sein Visum, dass er dann auch endlich bekam (ob dabei göttlicher Beistand eine Rolle gespielt hat, konnte er uns aber nicht so genau sagen). Am Montag reiste Rhada zurück nach Hyderabad und wollte direkt einen Flug nach Deutschland buchen. Das hat aber leider nicht so schnell geklappt und er bleibt und noch eine Woche erhalten. Gestern sind wir Abends noch eine Kleinigkeit mit ihm essen gegangen. Natürlich kamen wir mal wieder in einen starken Monsun-Regen. Die Straßen wurden mal wieder zu reißenden Flüssen und ich muss wohl noch ein wenig Weitsprung üben, denn ich hab es nicht über alle Pfützen und Ströme trockenen Fußes geschafft. Schon seltsam, dass sich hier Gummistiefel noch überhaupt nicht durchgesetzt haben. Es war trotzdem schön und auf dem Heimweg hab ich noch ein Foto von einem der vielen Ganesh-Statuen gemacht, die hier mittlerweile an jeder Ecke stehen und die ich ziemlich toll und feierlich finde. Zum Abschluss des Tages war auch unsre Wohnung überraschenderweise trotz des starken Regens komplett trocken geblieben. ![]() Ganesstatue unter einem Pavillon geschmueckt mit Lichterketten und beschallt mit lauter Musik Samstag, 15. September 2007Betriebsausflug
Gestern haben wir einen Betriebsausflug gemacht. Erst ging es zu einem großen, tollen Hindu-Tempel (in dem man leider nicht fotografieren durfte) und danach zum "Celebrity Club", so eine Art Naherholungsfreizeitpark.
Dort angekommen ging es nach einem Begrüßungssaft erstmal zum Cricketfeld. Inder sind nämlich total verrückt nach Cricket. Wir schauten kurz zu, aber das wurde uns schnell zu langweilig. Wir sind dann mit ein paar Kolleginnen Badminton spielen gegangen. Danach haben wir noch Carrom (ich hab gewonnen, Yeah!) und Snooker gespielt und dann gab es auch schon Mittagessen, welches wie üblich aus Reis mit diversen Currys und Eis zum Nachtisch bestand (war aber besser als das normale Firmenessen). Nach einer kurzen Verdauungspause haben wir uns dann an der Kartbahn ausgetobt. Dafür musste man allerdings extra zahlen (72 Cent für drei kurze Runden) und es durfte auch nur immer einer fahren und nicht mehrere gleichzeitig. Das hat den Fahrspaß etwas gemindert. Nachdem sich dann auch die ersten Inder ins Kart getraut haben, haben wir aber festgestellt, dass diese Regelung vielleicht gar nicht so verkehrt war. Die Inder hatten teilweise sehr große Schwierigkeiten gleichzeitig zu lenken und die Pedale zu bedienen. Die Fahrgeschwindigkeit bewegte sich bei ihnen auch nur knapp über Fußgängerniveau und trotzdem blieben fast alle mal in den Reifen am Fahrbahnrand hängen. Ich frag mich ja wirklich, wie die sich sonst im Straßenverkehr auf ihren Motorrädern durchsetzen. Christian hat sich nach dem Kartfahren in den Pool zurück gezogen. Ich hatte es auch kurz überlegt, aber dann nach Blick auf das Schild, welches "Long Costumes" für Frauen vorschrieb, doch gelassen. Die männlichen Kollegen haben dann auch bald den Pool für sich entdeckt und eingekleidet in geliehenen, grellbunten Badehosen im Nichtschwimmerbereich herumgeplanscht. Die Inder können tatsächlich alle nicht schwimmen Der Tag war nun auch schon um und wir sind wieder zurück gehahren. Es war ein schöner Tag. Ich hoffe, wir machen sowas öfter Donnerstag, 13. September 2007Fragen aus dem Publikum
Stefan hat mir einen Berg Fragen geschickt. Hier sind sie, samt Antworten:
Kann man Leitungswasser trinken? Man sollte es nicht tun. Die Inder tun es auch nicht. Die haben allerdings wohl Wasserfilter zu Hause um das Wasser zu filtern. Wenn ich Wasser bei Indern zu Hause getrunken habe, hat es sehr erdig geschmeckt. Wie schmeckt Wasser aus Flaschen? Es ist ok. Hat keine herausragenden Merkmale. Welche Packungseinheiten gibt es bei dem Wasser in Flaschen? Es gibt 1l- und 2l-Flaschen und auch kleinere für unterwegs. Allerdings ist Wasser in Flaschen hier wohl kein großer Verkaufsschlager. Im Supermarkt in der Nähe unsrer Firma haben sie es wohl völlig aus dem Sortiment genommen. Seit 2 Wochen versuchen wir Wasser in 20l-Behältern für einen Wasserspender zu kriegen. Allerdings spricht der Wasserlieferdienst kein Englisch und verpeilt es entweder ständig oder findet unsre Adresse nicht. Gibt es Wasser mit Kohlensäure? Ja, gibt es. Allerdings hab ich bisher nur eine Sorte gesehen und die war von Coca Cola. Was ist mit weltweiten Getränken wie Cola, Pepsi, 7up, Sprite? Gibt es alles. Coca Cola ist hier wohl mit seinen ganzen Getränken noch weiter verbreitet als in Deutschland. Das Wasser, dass wir meistens kaufen ist von Coca Cola. Und es gibt auch Mangosaft von Coca Cola. Außerdem gibt es noch die indische Cola "ThumsUp" (die allerdings wohl auch von Coca Cola gekauft wurde, wie ich gerade mit Erstaunen festelle). Coca Cola betreibt in Indien große Abfüllanlagen und wird für Wasserknappheit in deren Umgebung verantwortlich gemacht. Außerdem wird dem Konzern vorgeworfen, seine Abwässer nicht ordnungsgemäß zu entsorgen. Gibt es besondere / ungewöhnliche Säfte? Hab bisher nur den besagten Mangosaft von Coca Cola probiert. Als "Saft" kann man es aber eigentlich nicht bezeichnen, eher Zuckerwasser. Sehr verbreitet ist auch "Minute Maid" (auch von Coca Cola), so ein Pseudo-Orangensaftgetränk. Viel mehr Säfte findet man in den Supermärkten nicht. Auf der Straße gibts außerdem noch frische Kokosnüsse, frischen Zuckerrohr- und Guavensaft (die beiden letzteren muss ich noch ausprobieren Was ist mit Süßkram? Gibt es Auf der Party und auf der Hochzeitsfeier gabs frisches Obst und kleine Teigbällchen in Zuckersirup. Eis ist bei Indern auch sehr beliebt. Und was kostet das alles? Ein Liter Wasser kostet etwa 13 Rupien (23 Cent). Je mehr Produkte einer Sorte man im Supermarkt kauft, desto billiger werden sie allerdings. Kauft man Wasser für den Wasserspender, so kosten 20 Liter nur 50 Rupien (40 Cent). Der Coca-Cola-Mangosaft (1,2 Liter) kostet etwa einen Euro, wenn ich mich richtig erinnere. Kekse sind auch relativ teuer und kosten zwischen 1 und 1,50 Euro. Eine Kokosnuss kostet meist zwischen 5 und 7 Rupien (9 bis 12 Cent) und in dem Bereich liegen auch die anderen Säfte, die man auf der Straße kaufen kann. Sonntag, 9. September 2007Party auf indisch
Gestern waren wir zur Farewell-Feier von einem Mitarbeiter (sozusagen mein Chef) eingeladen. Gleich am ersten Tag als in der neuen Firma anfingen, hat er uns davon erzählt und auch, dass es Whisky und Wein geben würde. Im Laufe der Woche kam dann noch mal eine Einladung per Mail, die Schlimmes erahnen ließ:
I like to invite you all to a dinner party on Saturday (8th sep 2007) as that would be my last week end with you all. I hope we can have a lot of fun. Als ich dann mal eine Kollegin darauf angesprochen habe, kam dann heraus, dass Frauen hier keinen Alkohol trinken und es auch nicht mögen dabeizusein, wenn die Männer Alkohol trinken. Also gehen sie früh. Das sei ganz normal. Der Gastgeber sprach mich dann aber noch mal an und erklärte, dass ich natürlich länger bleiben dürfe und ich dürfe auch was trinken. Gar kein Problem. Nur sein Vater, der dürfe von allem nichts wissen. Die Inder machen es kompliziert... Wir waren also gestern fast genau um 17 Uhr vor Ort (German Pünktlichkeit) und wir waren mit Abstand die Ersten. Wieder wurde ganz stolz berichtet, dass es später noch Whisky und Wein gäbe... Dann wurden wir erstmal zum Vater abgeschoben. Der saß in seinem Wohnzimmer vor dem Fernseher und hat ein Cricket-Spiel angeschaut. Also haben wir eben mitgeschaut (ich kapier die Regeln immer noch nicht so ganz). Zwischendurch fragte er dann immer wieder Dinge, beispielsweise wie wir Indien fänden, den Verkehr... und ob wir noch zu Hause wohnen würden. Bei letzter Frage hat dann Christian geantwortet, dass er noch bei seinen Eltern lebe. Das fand der Vater ganz toll. Denn man man müsse ja für die Eltern da sein und der da (nach oben deutend) sähe es auch nicht gerne, wenn man die Eltern alleine ließe. Hu... ich war froh, dass er es wohl versäumte, mich danach zu fragen. Habe mir schon im Kopf überlegt, wie ich das am besten verkaufe, dass ich meine eigene Wohnung habe... Irgendwann wurden wir erlöst und durften mit den anderen langsam eintreffenden Gästen "Die Siedler von Catan" spielen. Ja, auf deutsch. Das hatte unser Gastgeber mal aus Deutschland mitgebracht. War eine ganz lustige Runde. Danach dann wurden Männlein und Weiblein getrennt. Die Jungs sind hoch aufs Dach und haben da herumgehangen. Die Frauen blieben unten und haben dort gequatscht. Ich bin nach leisem Protest einer Mitarbeiterin auch erstmal nach oben gegangen. Da war aber so wenig los, dass ich doch wieder runtergegangen bin, was aber auch nicht viel aufregender war. Dann gings nach einiger Zeit für alle nach oben, denn es gab Essen und das wurde auf der Dachterasse serviert. Für uns gabs ein spezielles Reisgericht, denn man nahm an, dass das normale Essen zu scharf für uns sei. Das war etwas schade, denn so konnte ich nicht mehr alles andere probieren. Der Nicht-Scharf-Reis war nämlich vor allem fettig und lasch gewürzt, hat dafür aber sehr schnell sehr satt gemacht. Nach dem Essen sind dann auch schon sehr bald alle Mädels heim gegangen, denn es wäre ja schon so spät (ungefähr 21 Uhr). Ich blieb dann also oben und hab mit Christian gequatscht, denn die anderen sprachen die meiste Zeit kein Englisch untereinander. Es gab dann Bier und anscheinend war es auch für niemanden ein Problem, dass ich auch welches getrunken habe. Allerdings waren wohl auch fast alle anwesenden Gäste schon mal in Deutschland gewesen und sind daran "gewöhnt". Später wurde dann noch stolz der Whisky ("Royal Stag") hervorgeholt. Spätestens dann kamen wir uns vor wie auf einer Feier von 14 Jährigen Teenies, die was sehr Verbotenes tun. Der Whisky wurde großzügig mit Cola verwässert und mit lautem "Prost" wurde angestoßen. Christian hat auf die Cola verzichtet, worauf er mindestens dreimal gefragt wurde, ob er sich da ganz sicher sei. Später wurde mir sogar noch erklärt, dass das völlig unüblich sei, Whisky ohne Cola zu trinken und alle sehr überrascht gewesen wären. Ich hab auch mal am Whisky genippt und er hat eigentlich nach gar nix geschmeckt... Wir spielten dann noch in indisches Kartenspiel, welches Rommee sehr ähnlich war. Ich hab auch gleich das erste Spiel gewonnen Und dann ging es mit den anderen Gästen stark abwärts. Fast alle waren sehr betrunken und sehr albern. Unser Gastgeber legte sich irgendwann auf eine Decke zum schlafen. Da wir sehr eindringlich davor gewarnt wurden, zu dieser Zeit (1 Uhr) noch nach Hause zu fahren, entschlossen wir uns, zu bleiben. Mir wurde ein Zimmer zum schlafen angeboten, welches ich gerne annahm. Die anderen blieben auf dem Dach und schliefen auf dem harten Betonboden. Mein Bett bestand allerdings auch nur aus einer Holzliege mit einer Decke drauf, anscheinend ein typisch indisches Bett. Ich hab nun auch die typisch indischen Toiletten kennengelernt. Barfuß. Denn in indischen Häusern hat man keine Schuhe an. Um 6.30 Uhr schaute dann schon die Mutter zu meinem Fenster herein um zu überprüfen, ob ich wach sei ("oh, you're still sleeping"). Ja danke, spätestens dann nicht mehr. Die Jungs auf dem Dach waren größtenteils sehr verkatert. Mir wurde mindesten dreimal stolz berichtet, man sei noch bis 3 Uhr wach gewesen. Ja, bis 3 Uhr! Und um 7 Uhr wollten dann alle Cricket spielen. Da haben wir uns dann aber die nächste Rikscha nach Hause geschnappt. Mittwoch, 5. September 2007Movie Shooting
Sobald wir hier ankamen und ein paar andere auslaendische Studenten kennenlernten, hatten wir auch Ramesh am Hals. Ramesh vermittelt hauptsaechlich Statisten an Film-Shootings. Da in Indien eine helle Haut als besonderes Schoenheitsmerkmal gilt, sind die Regisseure also sehr auf westliche aussehende Statisten scharf. Dabei ist es auch voellig egal, ob es irgendwie Sinn macht, dass ein Europaeer durchs Bild laeuft, hauptsache es laeuft eben ein Europaeaer durchs Bild.
Bei seinem ersten Anruf fragte also Ramesh unsre Daten ab. Leider mussten wir ihn dahingehend enttaeuschen, dass wir beide nicht strohblond sind. Die Groesse und die Hautfarbe wollte er dann noch wissen. Und dann rief er so etwa alle zwei Tage an und wollte uns irgendwohin vermitteln. Bisher lehnten wir ab, weil es uns von der Zeit her nicht passte. Ein zugesagtes Shooting fiel aus weil es regnete. In der Nacht(!) auf Dienstag rief er dann mal wieder an. Es sollte ein Film Shooting geben am Dienstag Abend. Es sei ein Liebesfilm (dabei kicherte er staendig. Warum, das hab ich spaeter herausgefunden) und es gaebe 1000 Rupien fuer etwa 6 Stunden Arbeit (ich verdiene im ganzen Monat 5000 Rupien, etwa 90 Euro). Also hab ich mir das ueberlegt und Dienstag morgens zugesagt. Eigentlich wollte er mich von der Arbeit abholen, aber das klappte schon mal nicht. Per Handy erklaerte er einem Rikschafahrer den Weg und der brachte mich ans Set (nicht ohne dabei einen voellig ueberzogenen Preis zu verlangen, aber das Geld hab ich zurueck bekommen). Das Shooting fand in einem besseren Wohnviertel statt. Dort gab es viele Villen und von unsrer Villa (bzw. Hotel? Keine Ahnung) hatte man einen tollen Blick auf die Stadt. Ich traf am Set dann auch Andres wieder, ein kolumbianischer Student der bei unsrer alten Firma arbeitet. Ausserdem war da noch Marcello aus Brasilien. Wir sollten uns also irgendwie im Hintergrund der Szene aufhalten. Marcellos Part war es auf einer Treppe zu sitzen und dort ein bisschen eine Gitarre zu zupfen. Er hatte allerdings nur Grundkenntnisse was Gitarrenspielen angeht und so spielte er die ganze Zeit nur leicht schraeg "No Woman No Cry". Neben ihm auf der Treppe standen dann noch ein indisches Maedchen und ein Typ und mussten ihm bewundernd zunicken und mitwippen. Andres und ich sollten uns zunaechst an eine Saeule lehnen und so tun, als wuerden wir uns kuessen. Das gefiel dem Regisseur allerdings wohl nicht so sehr und so wurden wir auf eine Bank gesetzt. Das war zwar alles etwas merkwuerdig, aber irgendwie haben wir es durchgestanden, ohne staendig in Lachen auszubrechen. Die Szene selbst wurde von den beiden Hauptdarstellern gespielt: Pawan Kaliyan und Ileana D’Cruz. Die sind hier wohl sehr beruehmt, im Buero bei uns kennt sie jeder. Pawan sollte mit Ileana auf dem Motorrad in den Innenhof eines "Woman’s Hostel" fahren. Sie sollte dann dort absteigen, sich von ihm verabschieden und ihm vertraeumt hinterher blicken. Danach sollte sie noch freudestrahlend in das Hostel huepfen. Das ganze wurde dann ungefaehr in 10 Mini-Szenen aufgeteilt und aus verschiedenen Kamerapositionen gedreht und hat auch recht lange gedauert (zwischendurch wurde das ganze vom Regen unterbrochen). Die meiste Zeit also langweilten wir uns, denn es gab nur eine Kamera, die von vielen Leuten immer wieder hin und hergetragen wurde. Das naechste mal nehme ich mir was zu lesen mit Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wie der Film heissen wird. Sie haben sich naemlich noch nicht auf einen Namen geeignet. Und da es ein Film auf Telugu ist, wird er es sicher auch nie nach Deutschland schaffen. Fuer Sonntag hat mir Ramesh schon angeboten, auf einer Hochzeit die Gaeste zu empfangen. Es gaebe wieder 1000 Rupien. Na mal sehen. Sonntag, 2. September 2007Essen im "Ofen"
Gestern fiel mal wieder das Cricket-Turnier aus und so planten wir ein wenig einkaufen zu gehen. Vorher fuhren wir zum "Ofen", einer schweizer Bäckerei.
Es war lustig die anderen indischen Gäste zu beobachten, welche alles ungewohnterweise versuchten mit Messer und Gabel zu essen (Doughnuts, Sandwiches und Muffins...). Ich kam mir schon etwas komisch dabei bei vor, dass ich dieses mal diejenige war, die mit Händen aß und nicht die Inder. Verkehrte Welt. Bevor wir gingen, kauften wir uns dann noch zwei sehr weiche Weizenbrote. Probiert haben wir diese allerdings noch nicht. Samstag, 1. September 2007Michael in Irland
So, Michael ist nun auch gut in Irland angekommen. Link zu seinem Blog und zu seinen Fotos gibt es rechts unter "Links"
Hochzeitsempfang
Gestern waren wir dann noch auf den Hochzeitsempfang eingeladen. Wir durften etwas früher Feierabend machen und wurden auf zwei Motorräder von Mitarbeitern verteilt. Der Empfang sollte am anderen Ende der Stadt sein. Da ich bisher noch nie auf einem Motorrad gesessen habe (nur auf einem Roller im Türkeiurlaub) war das schon recht aufregend, vor allem im indischen Großstadtverkehr. Irgendwann fing es dann an zu tröpfeln, das war noch ganz lustig, aber dann goss es plötzlich in Strömen.
Wir hielten kurz an und fuhren dann aber weiter. Irgendwann war ich völlig durchnässt. Mir wurde vorgeschlagen mit Kavitah (einer Mitarbeiterin) in ein Auto umzusteigen und das tat ich dann auch. Das Auto gehörte ihrem Mann, der uns dort irgendwo in der Stadt einsammelte. Wir hielten dann erst noch mal an einer Shopping Mall, denn die beiden wollten mir unbedingt was Trockenes zum Anziehen kaufen. Ich hab mich aber geweigert, so hat sich Kavitah nur eine Hose und eine Art Haus-Dress gekauft. So ganz verstanden hab ich die Aktion aber nicht. Danach sind wir zu den beiden nach Hause gefahren, denn Kavitah wollte sich noch umziehen. Umziehen bedeutete: duschen, umziehen, schmücken. Das hat etwa eine 3/4 Stunde gedauert und ich wurde vor dem Fernseher geparkt und durfte mir einen seltsamen Hollywood-Film (ja, mit H) über Huskies irgendwo im Eis anschauen. Von dort ging es dann aber tatsächlich (mit Umweg über einen Blumenladen) zum Hochzeitsempfang. Christian war zu diesem Zeitpunkt wohl schon mehr als eine Stunde dort. Der Empfang fand mal wieder in einer dieser typischen Hochzeitshallen statt, die hier an jeder Ecke zu finden sind. Es hätten dort sicher 1000 - 1500 Leute Platz gefunden, aber so viele Gäste waren dann doch nicht gekommen. Im größeren Raum war dann mal wieder ein Podest, auf dem das Brautpaar für Fotos posierte. Wir sind also auch mal alle hochgeklettert, haben noch mal gratuliert und posiert und dann gings schon mit gesammelter Firmenmannschaft ans Buffet. Dort gabs so ziemlich das gleiche Essen, wie schon an der eigentlichen Hochzeit, diesmal aber mit Fleisch (Hühnchen) und frischem Obst als Nachtisch. Ich hab mich hauptsächlich auf das Obst und Eis konzentriert Alles in allem war ich maximal eine Stunde auf diesem Empfang. Es wurde dort nicht getanzt und auch sonst nicht richtig gefeiert. Die Inder sind da etwas merkwürdig. Als wir gingen, posierte das Brautpaar immer noch vor den Fotografen. So eine Hochzeit würde ich mir wirklich nicht wünschen.
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