Sobald wir hier ankamen und ein paar andere auslaendische Studenten kennenlernten, hatten wir auch Ramesh am Hals. Ramesh vermittelt hauptsaechlich Statisten an Film-Shootings. Da in Indien eine helle Haut als besonderes Schoenheitsmerkmal gilt, sind die Regisseure also sehr auf westliche aussehende Statisten scharf. Dabei ist es auch voellig egal, ob es irgendwie Sinn macht, dass ein Europaeer durchs Bild laeuft, hauptsache es laeuft eben ein Europaeaer durchs Bild.
Bei seinem ersten Anruf fragte also Ramesh unsre Daten ab. Leider mussten wir ihn dahingehend enttaeuschen, dass wir beide nicht strohblond sind. Die Groesse und die Hautfarbe wollte er dann noch wissen. Und dann rief er so etwa alle zwei Tage an und wollte uns irgendwohin vermitteln. Bisher lehnten wir ab, weil es uns von der Zeit her nicht passte. Ein zugesagtes Shooting fiel aus weil es regnete.
In der Nacht(!) auf Dienstag rief er dann mal wieder an. Es sollte ein Film Shooting geben am Dienstag Abend. Es sei ein Liebesfilm (dabei kicherte er staendig. Warum, das hab ich spaeter herausgefunden) und es gaebe 1000 Rupien fuer etwa 6 Stunden Arbeit (ich verdiene im ganzen Monat 5000 Rupien, etwa 90 Euro). Also hab ich mir das ueberlegt und Dienstag morgens zugesagt.
Eigentlich wollte er mich von der Arbeit abholen, aber das klappte schon mal nicht. Per Handy erklaerte er einem Rikschafahrer den Weg und der brachte mich ans Set (nicht ohne dabei einen voellig ueberzogenen Preis zu verlangen, aber das Geld hab ich zurueck bekommen).
Das Shooting fand in einem besseren Wohnviertel statt. Dort gab es viele Villen und von unsrer Villa (bzw. Hotel? Keine Ahnung) hatte man einen tollen Blick auf die Stadt.
Ich traf am Set dann auch Andres wieder, ein kolumbianischer Student der bei unsrer alten Firma arbeitet. Ausserdem war da noch Marcello aus Brasilien. Wir sollten uns also irgendwie im Hintergrund der Szene aufhalten. Marcellos Part war es auf einer Treppe zu sitzen und dort ein bisschen eine Gitarre zu zupfen. Er hatte allerdings nur Grundkenntnisse was Gitarrenspielen angeht und so spielte er die ganze Zeit nur leicht schraeg "No Woman No Cry". Neben ihm auf der Treppe standen dann noch ein indisches Maedchen und ein Typ und mussten ihm bewundernd zunicken und mitwippen.
Andres und ich sollten uns zunaechst an eine Saeule lehnen und so tun, als wuerden wir uns kuessen. Das gefiel dem Regisseur allerdings wohl nicht so sehr und so wurden wir auf eine Bank gesetzt. Das war zwar alles etwas merkwuerdig, aber irgendwie haben wir es durchgestanden, ohne staendig in Lachen auszubrechen.
Die Szene selbst wurde von den beiden Hauptdarstellern gespielt:
Pawan Kaliyan und
Ileana D’Cruz. Die sind hier wohl sehr beruehmt, im Buero bei uns kennt sie jeder. Pawan sollte mit Ileana auf dem Motorrad in den Innenhof eines "Woman’s Hostel" fahren. Sie sollte dann dort absteigen, sich von ihm verabschieden und ihm vertraeumt hinterher blicken. Danach sollte sie noch freudestrahlend in das Hostel huepfen. Das ganze wurde dann ungefaehr in 10 Mini-Szenen aufgeteilt und aus verschiedenen Kamerapositionen gedreht und hat auch recht lange gedauert (zwischendurch wurde das ganze vom Regen unterbrochen). Die meiste Zeit also langweilten wir uns, denn es gab nur eine Kamera, die von vielen Leuten immer wieder hin und hergetragen wurde. Das naechste mal nehme ich mir was zu lesen mit

Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wie der Film heissen wird. Sie haben sich naemlich noch nicht auf einen Namen geeignet. Und da es ein Film auf Telugu ist, wird er es sicher auch nie nach Deutschland schaffen.
Fuer Sonntag hat mir Ramesh schon angeboten, auf einer Hochzeit die Gaeste zu empfangen. Es gaebe wieder 1000 Rupien. Na mal sehen.