Rhada ist wieder da! Unser indischer Nachbar aus Kashmir war ja Ende August plötzlich verschwunden. Zwei Tage später gab es die Bombenanschläge hier in Hyderabad, von denen ich erzählt habe, und wir befürchteten schon das Schlimmste. Einige Tage später jedoch rief er uns an und sagte, dass es ihm gut gehe und er dringend nach Kashmir zurück gemusst hatte. Warum, verriet er am Telefon allerdings nicht.
Nun haben wir ihn heute Abend ausgequetscht und er berichtete von einem Bollywood-reifem Drama: Rhada hat eine Freundin in Kashmir. Seine Eltern sind sehr offen und modern und es ist für sie ok. Seine Freundin gehört allerdings einer Sikh-Familie an (Sikhs sind eine von vielen Religionsgruppen hier in Indien. Die Männer zeichnen sich äußerlich vor allem dadurch aus, dass sie einen Turban tragen) und ihr Vater ist sehr konservativ.
Rhada wurde von seiner Freundin Donnerstags Mittags angerufen und sie berichtete ihm, dass ihr Vater ihre Verlobung mit einem anderen Sikh plane, denn Rhada ist Hindu und ihr Vater wollte seine Tochter nur an einen Sikh verheiraten. Rhada packte sofort seine Sachen und verließ Hyderabad schon zwei Stunden später auf dem Weg nach Kashmir. Seine Freundin hatte schon versucht ihren Vater davon zu überzeugen, dass sie diesen anderen Mann nicht heiraten wolle. Und Rhada ging sogar so weit, ihrem Vater anzudrohen mit ihr die Ehe vor Gericht zu schließen, falls ihr Vater sie zur Verlobung zwingen würde. Schließlich ließ sich der Vater wohl weichklopfen. Aber Rhada meinte zu uns, er wäre sich nicht sicher, ob er seine Drohung wirklich wahr gemacht hätte.
Nun ist Rhada zwar (noch) nicht verlobt, denn das ist hier auch eine riesige Zeremonie und nicht ein intimes Versprechen zwischen zwei Liebenden. Aber er wird sie heiraten müssen und ich nehme an, dass das schon bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland passieren wird.
Er blieb nun noch ein wenig in Kashmir und seine Mutter betete täglich im Tempel für sein Visum, dass er dann auch endlich bekam (ob dabei göttlicher Beistand eine Rolle gespielt hat, konnte er uns aber nicht so genau sagen).
Am Montag reiste Rhada zurück nach Hyderabad und wollte direkt einen Flug nach Deutschland buchen. Das hat aber leider nicht so schnell geklappt und er bleibt und noch eine Woche erhalten.
Gestern sind wir Abends noch eine Kleinigkeit mit ihm essen gegangen. Natürlich kamen wir mal wieder in einen starken Monsun-Regen. Die Straßen wurden mal wieder zu reißenden Flüssen und ich muss wohl noch ein wenig Weitsprung üben, denn ich hab es nicht über alle Pfützen und Ströme trockenen Fußes geschafft. Schon seltsam, dass sich hier Gummistiefel noch überhaupt nicht durchgesetzt haben. Es war trotzdem schön und auf dem Heimweg hab ich noch ein Foto von einem der vielen Ganesh-Statuen gemacht, die hier mittlerweile an jeder Ecke stehen und die ich ziemlich toll und feierlich finde. Zum Abschluss des Tages war auch unsre Wohnung überraschenderweise trotz des starken Regens komplett trocken geblieben.