Sonntag, 4. November 2007da ist man mal 4 Tage weg...
... und schon steht hier alles Kopf in Hyderabad. Am Dienstag hatten wir ja schon mit dem Rikschastreik zu kämpfen und ich dachte, das würde nicht länger als einen Tag dauern. Dem war aber nicht so. Scheinbar haben die Fahrer bis heute durchgehalten, auch wenn genügend Streikbrecher herumfahren und den Mitfahrwilligen nun besonders hohe Preise abrechnen. Die Taxameter sind aber alle unschuldig verhüllt. Scheinbar gibt es auch Streikkontrollen und Matthias und Christian wurden vorgestern aus einer Rikscha geworfen.
Davon abgesehen gab es wohl gegen Mittwoch einen verspäteten Monsunregen und in meinem Zimmer steht immer noch ein wenig Wasser. Außerdem sind die Ameisen wiederauferstanden und gleich scharenweise durch unsre Wohnung marschiert. Mittlerweile haben wir aber importierte Ameisenköderdosen und Christian konnte die Biester wirkungsvoll bekämpfen. Außer den Ameisen kam dann auch noch eine neue Mitbewohnerin für Matthias: Steffi. Sie arbeitet bei unsrer alten Firma und hat auch an der FH Wiesbaden studiert. Wir sind nun also zu viert. Während meiner Abwesenheit haben Christian und Matthias dann auch noch diverse Zug- und Flugtickets eingekauft und wir sind mittendrin in unsren Reiseplanungen für Dezember / Januar. Mehr dazu später an dieser Stelle.
Geschrieben von Lena
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Freitag, 2. November 2007Krebse, Kuehe und Touristen
Heute genau bin ich 3 Monate in Indien und auch den letzten Tag in Goa. Morgen gehts wieder "heim" nach Hyderabad. Auch wenn das Strandleben hier langsam langweilig wird, hab ich nicht so viel Lust mich wieder in meine langen Hosen und T-Shirts zu huellen und mich in die smogige Grossstadt zu setzen. Aber hilft ja nix...
![]() Das Dorf Agonda Hier in Goa ist man schon etwas freier mit der Kleidungswahl. In Hyderabad kann man natuerlich auch alles anziehen, was man in einer westlichen Stadt anziehen wuerde... aber man darf sich dann nicht ueber die Blicke der Inder wundern. Hier in Goa jedoch, zumindest am Strand, ticken die Uhren anders. Die Touristen laufen einfach herum, wie an fast jedem anderen Strand der Welt auch. Habe heute versucht, zwei Huettchen fuer Dezember zu reservieren, denn wir (Christian, Matthias + Freundin und ich) wollen ueber Weihnachten noch mal nach Goa kommen. Ist allerdings nicht so einfach, denn entweder sind die Huettchen schon voll oder es werden keine Reservierungen angenommen (ich versteh allerdings nicht, wie die Huettchen ausgebucht sein koennen, wenn man nicht reservieren kann... aeh egal). Und abgesehen von diesem Problem, sind die Huettchen dann auch noch exorbitant teuer. Im Moment zahlen wir fuer unser neues gemauertes Huettchen 10 Euro pro Nacht und um Weihnachten rum wirds dann wohl etwa 40 Euro kosten. Mal sehen, was wir dann machen. Bin da gerade etwas ratlos. Heute sind wir dann endlich mal in die andere Richtung des Strandes gelaufen. Da war aber auch nicht so viel los. Haben jetzt beide gut Sonnenbrand und warten darauf, dass es wieder Zeit wird, was Leckeres zu essen Gestern wollten wir auf einen anderen Strand umziehen, der mir als "ruhiger" empfohlen wurde. War er auch. Da war naemlich gar nix. Nur eine Strandbar mit etwa 10 Touris drin. Sonst nix. Nichts gegen ruhige Straende, aber ich will ja nicht im Sand schlafen. Also sind wir wieder zurueck zu "unsrem" Palolem Beach und haben uns ein neues Steinhuettchen gesucht, was ich ja oben schon erwaehnte. Haben nun sehr gespraechige australische Nachbarn, die auch morgens schon ihr Bierchen kippen und die schon seit 6 Wochen hier am Strand wohnen. Es handelt sich dabei um ein Ehepaar Anfang 60, die ihr Restaurant in Australien verkauft haben und nun die Welt bereisen wollen, denn ihre 3 Soehne sind ja nun auch schon aus dem Haus. Der Aelteste ist nun verheiratet und es ist wohl bald Nachwuchs zu erwarten. Der mittlere hat in den USA studiert und der Juengere, der ist ihr Sorgenkind, denn der weiss noch nicht, was er machen soll... usw. Ansonsten gibt es eigentlich nichts Neues. Morgen werden wir noch mal in Ruhe fruehstuecken und dann mit dem Bus zum Flughafen aufbrechen. Moni bleibt dann noch bis Montag bei uns und fliegt in der Nacht zum Dienstag bepackt mit indischem Kram von mir zurueck nach Deutschland.
Geschrieben von Lena
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Mittwoch, 31. Oktober 2007zeitlos in Goa![]() Palolem Beach ![]() Kapitaen mit Boot Danach gabs Atlantic Breakfast mit Spiegelei und Speck und Bohnen. Naja... das war ein Fehlgriff, aber ok. Haben noch Obstsalat gegessen und richtigen Kaffee getrunken. Ein Highlight! Anschliessend spazierten wir gemuetlich die linke Haelfte des Strandes ab. Unser Holzhaeuschen befindet sich ziemlich zentral in der Mitte und wir planen schon fuer morgen, die andere Haelfte zu erkunden. Wir schlenderten also gemuetlich, unterbrochen von einigen Bootsverkaeufern, Tuchverleihern und Hennakuenstlerinnen herum und erreichten dann auch bald das Ende des Strandes (kompletter Strand ist wohl etwa 4 - 5km lag). Dort ignorierten wir dann einen besonders penetranten Bootstourenverkaeufer und nahmen uns den weniger penetranten Bootstourenverkaeufer, um eine Bootstour zu kaufen. Wir setzten uns in ein kleines halbes Katermaran-Holzboot (oder etwas aehnlichem, ich hab keine Ahnung von Booten. Es hatte jedenfalls so eine Stuetze an einer Seite) und fuhren in die "Backwaters", ein truebes, stilles Sumpfwassergebiet hinterm Strand. Wir sahen ein paar huebsche Voegelchen (Herons und Kingfischers und so... schaut mal jemand nach, was das auf Deutsch ist, ja? Danach entspannten wir uns bei einem kuehlen Getraenk und liefen langsam wieder zurueck zu unsrem Huettchen. Den Rest des Tages gammelten wir dann auf den Liegen vor unsrem Huettchenrestaurant und sind nun schon schoen rot und hoffentlich bald schoen braun. Dienstag, 30. Oktober 2007Ankunft in Goa
Moni und ich sind heute morgen erstmal in den Bus gestiegen, denn die Rikschas streiken fuer hoehere Fahrgebuehren und dagegen, dass die Rikschas durch Autos ersetzt werden. Naja, Christian und Matthias jedenfalls haben eine halbe Stunde auf eine Rikscha zur Arbeit gewartet und sich daher entschlossen, zu Hause zu bleiben. Da ich nicht sxo 100%tig sicher war, wie man mit dem Bus zum Flughafen kommt, war das ein bisschen aufregend, aber wir haben es gemeistert.
Im Flughafen verlief dann alles reibungslos. Irgendwann sassen wir in unsrer sehr leeren Maschine nach Goa und waren nach dem Start auch schon fast wieder im Landeanflug. In Goa angekommen, empfing uns zunaechst eine warme, schwuele Luft und eine Horde Taxifahrer, die uns alle zum Palolem Beach fahren wollten (soviel zum "Geheimtip" aus dem Lonley Planet). Wir ignorierten diese grosszuegig und stellten uns an die nichtmarkierte Bushaltestelle und warteten ein wenig in bruetender goanischer Sonne auf den Bus nach Margao. Im Stehen an Inder gekuschelt erreichten wir diese Stadt dann auch eine Stunde spaeter. Von dort aus gings gleich weiter in den naechsten Bus nach Chauri oder Chaudi (auf meinem Stadtplan steht beides und die Inder scheinen sich auch nicht so einig zu sein). Das dauerte dann wieder eine gute Stunde. ![]() Unsere Huette Nach dem Futter sind wir noch an den Strandgeschaeften entlang flaniert und es kam einem alles sehr bekannt vor: T-Shirts mit grellgruenen, kiffenden Zwergen, Elefantenholzfiguerchen, Henna-Malereien, Gras-Pfeifen, bunte Batik-Klamotten und der ganze andere Klimbim, den man auch auf deutschen "alternativen" Festen findet. Man kann sich hier sogar die passenden Dread Locks machen lassen und sich einen grossen Backpacker-Rucksack kaufen. Viel los ist hier uebrigens nicht. Angeblich sind wir die ersten in dieser Saison in unsrer Holzhuette und das Restaurant fuehrt noch keine indische Gerichte, denn es ist erst seit 2 Tagen geoeffnet. Trotzdem habe ich seit mindestens 3 Monaten nicht mehr so viele weisse Menschen gesehen. Es scheint sich dabei meistens um Brite zu handeln. Der Strand ist sehr schoen und sicher schon auf vielen Postkarten verewigt worden. Man muss nur aufpassen, dass man nicht ueber Hunde, Kuehe oder deren Hinterlassenschaften stolpert...
Geschrieben von Lena
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16:52
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Montag, 29. Oktober 2007indisches Mittagessen, Charminar die Zwote und Basar in Kothi
Am Wochenende haben wir mal wieder einiges unternommen. Eigentlich wurden wir fuer Samstag von unsrem Chef mit der ganzen Firma in sein Dorf "eingeladen". Da wir am Samstag schon mit Shree zum Essen verabredet waren, war uns das nicht ganz so recht. Die Dorf-Besichtigungstour wurde aber am gleichen Tag noch abgesagt, denn es waeren zu Wenige mitgekommen. Wir nutzten den Samstag und fuhren erst noch einmal zum Optiker, damit Moni auch endlich ihre Kontaktlinsen kriegen konnte. Von dort aus ging es dann zum City Centre, wo das anvisierte Restaurant leider voellig ueberfuellt war und so gab es importierte amerikanische Fast-Food-Kost. Von dort aus fuhren Matthias, Moni und ich dann weiter zum Charminar, welches ich mit Christian im August schon mal besucht hatte. Es war auch noch genauso voll und eng wie damals. Wir schauten uns zunaechst in einem der vielen Perlenlaeden ein paar Perlen an und Matthias und Moni kauften auch was. Von dort aus liefen wir direkt zum Charminar, machten ein paar Fotos und liefen auch schon ganz schnell wieder in die gleiche Richtung zurueck, denn die Verkaeufer wurden einfach zu aufdringlich. Ein kleiner Junge mit Plastikgewehren war besonders nervig. Ich nahm ihm irgendwann eins der Gewehre aus der Hand, legte es ein paar Meter entfernt auf einen Stand und lief weg. Hat ihn aber nicht gestoert. Er kam bald wieder hinter uns her. Aber was soll man schon machen, wenn einem so ein Knirps hinterher rennt und staendig "Mam! Mam!" ruft?
Sonntag fuhren wir dann zu Shree zum Mittagessen. Es gab verschiedene Currys und Reis (typisch indisch eben) Nachdem wir uns von Shree verabschiedet haben, fuhr ich noch mit Moni zu einem Basar in Kothi (Stadtteil von Hyderabad) und wir kauften ein paar indisch-buntige Betttuecher und anderen Kram. Morgen gehts uebrigens fuer Moni und mich nach Goa. Wir machen mal 4 Tage Beach-Urlaub. Ich freue mich schon drauf, mal ein wenig aus dieser riesigen Stadt heraus zu kommen. Donnerstag, 25. Oktober 2007Shopping und Fisch
Gestern war ich mit meiner Mutter shoppen. Da unser Optiker ihre bestellten Testkontaktlinsen noch nicht geliefert bekommen hat, sind wir erstmal in ein kleines Einkaufszentrum gefahren und haben uns dort umgeschaut. Ich hab dort die "Walk the line"-DVD fuer 4,50 Euro erstanden. Dann ging es weiter zum City Centre, wo ich auch schon einige Male gewesen bin. Das ist eine grosse moderne Shopping-Mall mit McDonald's unten drin. Wir sind einmal komplett durchgelaufen und haben uns mit guenstigen Klamotten eingedeckt. Danach gab es noch Pizza in einem der Restaurants im 5. Stock und anschliessend fuhren wir wieder heim.
Als ich bei der Heimkehr meine Zimmertuer oeffnte, fiel mir erstmal der penetrante Gestank nach fauligem Fisch auf. Da Mutter aber keinen alte Forelle unterm Bett versteckt hatte, dachten wir zunaechst, es kaeme von draussem. Dem war aber leider nicht so. Als ich mich herumdrehte, sah ich dann einige dicke Maden unter dem Tuerrahmen auf dem Boden herumrollen. Eine weitere Inspektion ergab, dass zwischen Tuer und Tuerrahmen (da wo eigentlich kein Platz ist, wenn man die Tuer schliesst), eine Art Madennest gewesen war. "War", denn dieses hatte ich wohl beim Oeffnen der Tuer irgendwie zerstoert und die Maden sind herausgepurzelt. Dieses Nest war gut und gerne 15cm breit und stank eben, wie bereits beschrieben, wie ein 3 Wochen gammelnder Fisch. IIIIEEEH! Montag, 22. Oktober 2007Wochenendbericht
Nun ist es schon wieder Montag. Freitag hatten wir frei, denn Samstag war einer der wichtigeren Feiertage. Im Moment ist ein 10-taegiges Fest, welches am letzten Tag mit "Dasahra" endet. Ich hab aber noch nicht so ganz verstanden, um was es dabei geht. Jedenfalls zeichnet es sich durch Feuerwerke und noch mehr Blumenketten an allem was steht und geht aus. Vor den Haeusern liegen oefter auch aufgebrochene Kuerbisse mit bunten Farbpulvern garniert.
Jedenfalls hatten wir wir ein langes Wochenende und Freitag Nacht kam dann meine Mutter mit dem Flieger aus Frankfurt an. Am Samstag ging es fuer sie dann gleich los in den indischen Grossstadtdschungel. Wir sind zu einem Optiker gefahren und haben uns beide Kontaktlinsen bestellt. Meine Testlinsen hab ich gleich bekommen, komme allerdings im Moment noch nicht so damit klar Sonntag haben wir dann noch einen Ausflug zum Golkonda Fort gemacht und uns von neugierigen Indern fotografieren lassen. Das Golkonda Fort ist eine alte Ruine einer Festungsstadt etwas ausserhalb Hyderabads. ![]() Blick von oben auf das Golconda Fort Montag, 15. Oktober 2007Ramoji Film City
Gestern haben wir uns schon früh aufgemacht und sind zur Ramoji Film City gefahren. Das kennt zwar wahrscheinlich kaum ein Europäer, ist aber immerhin der weltgrößte zusammenhängende Filmstudiokomplex und etwa 30km von Hyderabad entfernt. Nach einigem Hin und Her mit den Bussen (hab ich schon erwähnt, dass hier zwar viele öffentliche Busse herumfahren, es aber keinen Busfahrplan gibt?), haben wir auch den richtigen Bus erwischt und sind Richtung Film City gebrettert.
![]() Stuntshow mit Cowboys Von Sonne und Herumlaufen geschafft, ruhten wir uns im Schatten einer bunten Pappmasché-Wand, beobachtet von Pappmasché-Tieren und einem quietschenden Handpuppenverkäufer, aus und lauschten der sich im Minutentakt wiederholenden Jingle-Bells-Melodie. Wir hatten dann noch genug Energie für die "Wild Wild West"-Stuntshow und wunderten uns auch schon gar nicht mehr über Cowboys in Indien. Dann ging es schon wieder nach Hause und wir waren wohl alle sehr geschafft. Samstag, 13. Oktober 2007Diverses
Schon wieder eine Woche rum. Die Zeit hier vergeht wirklich sehr schnell. In 90 Tagen bin ich schon wieder in Deutschland
Die Woche war recht ereignislos. Dienstag kam der Firmenchef aus Deutschland vorbei und drängte bei einer Ansprache im "Recreation Centre" (wo wir vor einigen Wochen schon mal waren) bei der indischen Belegschaft auf mehr Qualität bei der Softwareentwicklung. ![]() Choclate Fondant mit Vanilleeis im Fusion9 Gestern ging der Ramadan zu Ende und zu diesem Anlass hat irgendein Irsinniger eine Bombe bei Ajmer vor einem moslemischen Heiligtum gelegt und dabei zwei Menschen getötet und Viele verletzt. Ajmer ist zwar einige hundert Kilometer von Hyderabad entfernt, aber wie wir lasen, gab es gestern auch hier Straßensperren und Sicherheitsbedenken. Es ist aber nichts passiert und von den Straßensperren haben wir auch nichts mitbekommen. Wir sind dann gestern noch ins Fusion9, ein sehr westliches Restaurant, gefahren und haben richtig gut geschlemmt. Das Essen war zwar nicht billig, aber sein Geld wert. Mit Getränken, Hauptgericht und Nachtisch kamen wir zu dritt auf etwa 55 Euro. Ich hab dort auch so viele Westler gesehen, wie die ganze Woche noch nicht. Heute dann gabs studentisches Rührei mit Bacon und Toast. Eigentlich wollten wir zur Film City (den hyderabadschen Filmstudios) fahren, aber ich hab mir eine dicke Erkältung eingefangen und wollte lieber zu Hause bleiben. Vielleicht wirds ja morgen was. Im übrigen hat sich der Monsun jetzt wohl erledigt und es ist deutlich wärmer geworden. Nachmittags erreichen wir wohl Temperaturen um die 30 Grad Celcius und mehr. Vorteil: Wäsche trocknet anständig. Nachteil: Mir ist warm, ey! Montag, 8. Oktober 2007Chak de! India
Wir waren ja schon ein paar mal im Kino gewesen und gestern haben Matthias und ich uns “Chak de! India“ angesehen (heisst wohl soviel wie „Los Indien!“).
In dem Film geht es um einen beruehmten Hockeyspieler, der beim finalen Elfmeter (oder wie man das im Hockey nennt) gegen Pakistan versagt und sich dann vorwerfen lassen muss, von Pakistan bestochen worden zu sein, da ihn ein pakistanischer Spieler nach seinem vermasselten Tor troestend umarmt. Geaechtet von seinen Nachbarn zieht er weg und vegetiert irgendwo dahin, bis er die Chance erhaelt, die indische Frauennationalmannschaft zu trainieren. Die Mannschaft existierte wohl bis dahin noch nicht, denn sie wird komplett neu aus frischen, jungen Inderinnen zusammengestellt. Diese haben natuerlich nichts besseres zu tun, als sich erstmal richtig anzuzicken und sich mit dem Trainer zu verkrachen. Viele Lektionen ueber Teamgeist und Fairness spaeter, finden sie sich in Sydney bei den Frauenhockeyweltmeisterschaftsspielen wieder. Nach einem ersten verlorenen Spiel gegen die Australierinnen, reissen sich aber alle noch mal zusammen, ueberwinden alle Widrigkeiten und werden Weltmeister. So einfach ist das also. Der Trainer wird von dem indischen Filmsuperstar Shahrukh Khan gespielt, den man mittlerweile gelegentlich auch im deutschen Fernsehen auf RTL2 herumhuepfen sieht. „Chak de! India“ kommt allerdings ganz ohne Tanz- und Musikszenen aus. Schade, eine rhytmisch tanzende Frauenhockeymannschaft waere sicher unterhaltsam gewesen. Ich fand den Film ganz ok. Aber wir haben ja auch vom Gesprochenen so gut wie nichts verstanden. Vielleicht haben wir wichtige Dialoge verpasst, aber meistens konnte man den Pathos auch so von der Leinwand triefen sehen. Mittwoch, 3. Oktober 2007Trip nach Mysore
Letzten Donnerstag Abend stiegen wir in den Zug nach Bangalore. Wie angekündigt, hatten wir uns zwei Tage frei genommen und mal ein bisschen was von Indien zu sehen. Von dem Zugabteil gibt es ein paar Bilder in meiner Galerie. Unser 6er-Abteil war voll belegt und die Mitreisenden grüßten uns kurz. Gegen 21 Uhr wollten die anderen dann schlafen gehen und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns auch hinzulegen, da auf den Bänken, auf denen wir bisher saßen, ja auch Leute schlafen wollten. Die Nacht war sehr unruhig und ich bin oft aufgewacht. Als wir in Bangalore dann endlich aus dem Zug fielen, fühlte ich mich noch ein wenig benommen.
![]() Blick vom Palastinnenhof zurueck auf ein Eingangstor mit Tempel auf der linken Seite Wir stiegen gleich in den Zug nach Mysore um und dort döste ich noch ein wenig vor mich hin. Als wir ausstiegen fielen uns gleich die vielen Touristen auf dem Bahnsteig auf (ungefähr 4!) und eine Deutsche fragte uns sogar, ob sie hier richtig sei. Michael, der uns schon vor drei Wochen besucht hatte und eigentlich in Delhi lebt, holte uns am Bahnhof ab und wir klapperten ein paar Hotels ab, bis wir auch ein gutes, günstiges (etwa 4,50 Euro pro Nacht im Doppelzimmer) fanden. Nach einer kurzen Stärkung gingen wir auch gleich auf Tour und besichtigten den Maharaja-Palast und die Elefanten, die dort auf ein großes Fest Ende Oktober warten, an dem sie durch die Stadt prozessieren werden. Die erste Nacht im Hotel schliefen wir dann beide gut, da wir noch etwas kaputt von der Zugfahrt waren. Am nächsten Tag ging es dann rauf auf den Tempelberg, allerdings per Bus. Wir schauten uns oben alles an und liefen dann 1000 Stufen runter, was ein schöner Weg war, aber uns allen einen Sonnenbrand bescherte. Unten angekommen, wurden wir dann von einigen Affen begrüßt, die wir bis dahin in Indien auch noch nicht gesehen hatten. Abends gingen wir noch in einen Kinofilm auf Kannada ("Anatharu"), etwas essen und dann auch schon wieder schlafen. An Tag 3 fuhren wir etwas raus aus Mysore und schauten uns den Stausee „Krishna Raja Sagara“ an. An der Staumauer gibt es einen recht gepflegten Park, in dem wir ein paar Stunden verbrachten. Mir hat Mysore sehr gut gefallen. Es ist ein etwas verschlafenes Städtchen, hat aber immerhin wohl etwa 700.000 Einwohner, was man aber nicht merkt. Es gibt dort viel weniger Verkehr als hier in Hyderabad, die Luft ist besser und es gibt sogar Bürgersteige. Ich wäre gerne noch etwas geblieben, aber am Montag mussten wir dann langsam den Rückweg antreten. Wir blieben noch einen Nachmittag in Bangalore und sind dort ein bisschen Bummeln gegangen. Dann ging es auch schon mit dem Nachtzug zurück nach Hyderabad. Die Nacht war wieder nicht so richtig erholsam, aber man konnte es aushalten. Und als wir dann bei unsrer Wohnung ankamen, war auch schon Matthias aus Karlsruhe in unsere Nachbarwohnung eingezogen. Dienstag, 25. September 2007Bangalore, Mysore, Dublin
Nächste Woche ist einer der wenigen offiziellen Feiertage in Indien, nämlich Ghandis Geburtstag am 2.10. (Dienstag). Wir haben uns den Freitag und Montag freigenommen und werden über dieses verlängerte Wochenende ein bisschen durch die Gegend fahren. Donnerstag Abend geht es direkt nach der Arbeit zum Bahnhof und von dort aus per Nachtzug nach Bangalore. Das ganze dauert ungefähr 12 Stunden (und kostet etwa 6 Euro) und wir haben einen Schlafplatz im Zug gebucht. In Bangalore angekommen, geht es gleich weiter mit einem Zug nach Mysore. Das dauert dann noch mal 3 Stunden und wir kommen dann dort Freitag Mittag frisch und erholt an...
In Mysore bleiben wir dann bis Sonntag und fahren dann wieder zurück nach Bangalore, wo wir noch mal einen Tag bleiben. Von dort aus gehts dann Montag Abend wieder über Nacht mit dem Zug zurück nach Hyderabad. Wir kommen Dienstag Morgen zurück, begrüßen Matthias und nach ein paar Stunden Schlaf gehen wir vielleicht noch auf eine Party. Desweiteren hab ich nun auch schon einen Flug nach Dublin gebucht. Am 12.1. werden wir in Frankfurt landen, dann hab ich einen Tag Zeit umd die Sommersachen aus- und die Wintersachen einzupacken und am 14.1. gehts schon nach Dublin und von dort aus mit dem Bus nach Waterford zu Michiiii Donnerstag, 20. September 2007Im Schöhnheitssalon
Will frau zum Friseur gehen, dann muss sie zu einem “Beauty Parlourâ€, also einem Schöhnheitssalon. Für Männer gibt es entsprechend „Hair Dresser“, bei denen man sich auch rasieren lassen kann. Manchmal bestehen die Salons für Männer auch nur aus einer Decke am Straßenrand, auf der gesessen, frisiert und rasiert wird. Bei Frauen spielt sich das aber nicht ganz so öffentlich ab.
Seit letzter Woche wollte ich nun mir die Haare nachschneiden lassen. Eine Kollegin wollte mich zu einem „Beauty Parlour“ begleiten, jedoch wurde daraus nichts, da bei ihr zu Hause eine Wasserleitung kaputt gegangen ist und sie nun jeden Abend schnell heim muss, um eine Wasserlieferung entgegen zu nehmen. Ich habe mich also gestern selbst auf den Weg gemacht, ihrer Beschreibung folgend und stand schließlich vor „Eve’s Beauty Parlour“. Etwas mulmig und bafüßig betrat ich den Salon. Mulmig deshalb, weil Inderinnen zu 99% lange Haare tragen und ich nicht wusste, wie sehr die indischen Friseurinnen schon in westlichen Kurzhaarschnitten erprobt sind und barfüßig, da man auch hier, wie in jeder indischen Wohnung, die Schuhe am Eingang stehen lässt. Es waren schon einige Frauen da, die allerdings nur auf eine Freundin warteten, wie sich herausstellte. Ich wurde also nach kurzem Warten schon auf einen Frisier-Stuhl gebeten und sollte mich noch eine Minute gedulden. Neben mir, auf einem anderen Frisier-Stuhl, wechselten sich derweil drei Mädchen damit ab, sich die Augenbrauen zupfen zu lassen. Dazu nahm die Angestellte ein Stück Garn zwischen die Finger und ihre Zähne und zwirbelte es an den Augenbrauen der Mädchen entlang. Wie genau das funktioniert, ist mir allerdings noch nicht ganz klar, aber die Mädchen krallten sich bei der Prozedur an ihrem Stuhl fest und es wirkte nicht sehr beruhigend. Schließlich kam aus einem Hinterzimmer eine ältere Frau und griff nach der Schere. „How short?“. Ich zeigte so etwa 3cm mit den Fingern und das war auch schon fast alles an Konservation. Sie drehte den Stuhl und mich also ebenfalls vom Spiegel weg (Hey!) und fing an, sehr langsam und bedächtig an meinen Haaren herumzuschneiden. Nach etwa 15 Minuten bangen Wartens und mit großer Aufmerksamkeit aller anderen Kunden und Mitarbeiter bekam ich einen kleinen Spiegel gereicht... und es war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte und sah sogar ungefähr so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. „It’s ok?“. „Yes, it’s ok“. Ein strahlendes und erleichtertes Lächeln von ihr... Ich bezahlte noch schnell meine 100 Rupien (1,80 Euro) und verließ stolpernd den Salon, während mir die Friseurin beim Gehen noch immer wieder Haare von der Kleidung zupfte. Mittwoch, 19. September 2007Wir erobern Indien
Im Oktober wird sich die Anzahl der Ausländer in unsrem Wohnviertel verdoppeln. Zunächst kommt Anfang Oktober Matthias aus Karlsruhe und zieht wahrscheinlich bei uns gegenüber ein. Etwas später, nämlich am 19.10., schaut dann meine Mutter mal für 2,5 Wochen bei uns rein. Beide sind natürlich auch schon mit dem obligatorischen Indienblog ausgestattet. Man findet sie bei mir im Menü rechts unten unter "Links".
Aufregung in Kashmir und Regen in Hyderabad
Rhada ist wieder da! Unser indischer Nachbar aus Kashmir war ja Ende August plötzlich verschwunden. Zwei Tage später gab es die Bombenanschläge hier in Hyderabad, von denen ich erzählt habe, und wir befürchteten schon das Schlimmste. Einige Tage später jedoch rief er uns an und sagte, dass es ihm gut gehe und er dringend nach Kashmir zurück gemusst hatte. Warum, verriet er am Telefon allerdings nicht.
Nun haben wir ihn heute Abend ausgequetscht und er berichtete von einem Bollywood-reifem Drama: Rhada hat eine Freundin in Kashmir. Seine Eltern sind sehr offen und modern und es ist für sie ok. Seine Freundin gehört allerdings einer Sikh-Familie an (Sikhs sind eine von vielen Religionsgruppen hier in Indien. Die Männer zeichnen sich äußerlich vor allem dadurch aus, dass sie einen Turban tragen) und ihr Vater ist sehr konservativ. Rhada wurde von seiner Freundin Donnerstags Mittags angerufen und sie berichtete ihm, dass ihr Vater ihre Verlobung mit einem anderen Sikh plane, denn Rhada ist Hindu und ihr Vater wollte seine Tochter nur an einen Sikh verheiraten. Rhada packte sofort seine Sachen und verließ Hyderabad schon zwei Stunden später auf dem Weg nach Kashmir. Seine Freundin hatte schon versucht ihren Vater davon zu überzeugen, dass sie diesen anderen Mann nicht heiraten wolle. Und Rhada ging sogar so weit, ihrem Vater anzudrohen mit ihr die Ehe vor Gericht zu schließen, falls ihr Vater sie zur Verlobung zwingen würde. Schließlich ließ sich der Vater wohl weichklopfen. Aber Rhada meinte zu uns, er wäre sich nicht sicher, ob er seine Drohung wirklich wahr gemacht hätte. Nun ist Rhada zwar (noch) nicht verlobt, denn das ist hier auch eine riesige Zeremonie und nicht ein intimes Versprechen zwischen zwei Liebenden. Aber er wird sie heiraten müssen und ich nehme an, dass das schon bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland passieren wird. Er blieb nun noch ein wenig in Kashmir und seine Mutter betete täglich im Tempel für sein Visum, dass er dann auch endlich bekam (ob dabei göttlicher Beistand eine Rolle gespielt hat, konnte er uns aber nicht so genau sagen). Am Montag reiste Rhada zurück nach Hyderabad und wollte direkt einen Flug nach Deutschland buchen. Das hat aber leider nicht so schnell geklappt und er bleibt und noch eine Woche erhalten. Gestern sind wir Abends noch eine Kleinigkeit mit ihm essen gegangen. Natürlich kamen wir mal wieder in einen starken Monsun-Regen. Die Straßen wurden mal wieder zu reißenden Flüssen und ich muss wohl noch ein wenig Weitsprung üben, denn ich hab es nicht über alle Pfützen und Ströme trockenen Fußes geschafft. Schon seltsam, dass sich hier Gummistiefel noch überhaupt nicht durchgesetzt haben. Es war trotzdem schön und auf dem Heimweg hab ich noch ein Foto von einem der vielen Ganesh-Statuen gemacht, die hier mittlerweile an jeder Ecke stehen und die ich ziemlich toll und feierlich finde. Zum Abschluss des Tages war auch unsre Wohnung überraschenderweise trotz des starken Regens komplett trocken geblieben. ![]() Ganesstatue unter einem Pavillon geschmueckt mit Lichterketten und beschallt mit lauter Musik
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